Anfang letzter Woche erhielt ich eine Einladung zum Test des neuen Google CPA ("Cost per Action")-Programms: Mit einer Reihe ausgesuchter Partner testet Google darin ein neues Abrechnungsverfahren, nach dem der Werbepartner Provisionen auf "erfolgreiche Aktionen" der Nutzer erhält. Diese Aktionen werden durch den Werbekunden definiert: Möglich sind zum Beispiel Verkaufsprovisionen, Provisionen auf die Generierung eines Sales-Leads oder auch nur die simple Bestellung eines Newsletters.
Leider unterzeichnen alle Google-Testpartner eine Verschwiegenheitserklärung, und so musste ich mit meinem Blog-Posting warten, bis die Nachricht (erwartungsgemäß) ohnehin am Markt durchgesickert war. Was bedeutet das neue Modell nun für Werbetreibende und Publisher?
Anders als bei der Standard-Cost-per-Click (CPC)-Abrechnung wird bei der CPA-Abrechnung nur bei "Erfolg der Kampagne" bezahlt, wobei der "Erfolg" durch den Werbetreibenden definiert wird. Im Vergleich zur CPC-Abrechnung bringt dies natürlich geringere Konvertierungsraten mit sich (nur ein Bruchteil der "klickenden Nutzer" führt die gewünschte Aktion auf der Seite des Werbekunden durch). Dafür sind die Vergütungen von erfolgreichen Aktionen höher, im Fall des Google-Testprogramms betragen sie bis zu 46 US-Dollar pro Klick.
Reaktion auf Snap.com und eBay?
Mit dem Testprogramm verfolgt Google einen Vermarktungsansatz, der bereits seit einiger Zeit von Bill Gross, Gründer der Suchmaschine Snap.com propagiert wird. Die erfolgsabhängige Vergütung - so die Logik - soll dem Werbetreibenden eine höhere Transparenz und Sicherheit in der Werbebuchung garantieren. Zudem würde die CPA-Abrechnung das Problem das Click-Frauds eindämmen, das die CPC-Abrechnung in die Kritik gebracht hat.
Na schön - ruft die deutsche Presse - dann steigt Google also in den Markt der Affiliate-Programme ein. Schließlich wird die erfolgsbasierte Abrechnung schon seit Jahren von Playern wie Amazon oder sogar von ganzen Affiliate-Netzwerken wie Affilinet angeboten. Ist Google mit seinem neuen Angebot also nur ein weiterer Player unter vielen?
Nicht ganz, denn anders als klassiche Affiliate-Programme greift Google bei seinem CPA-Modell auf eine komplexe Technologie-Landschaft zurück, die eine sehr viel genauere Targetierung und eine automatisierte Optimierung der CPA-Kampagnen ermöglicht:
- Über die AdSense-Mechanismen können die CPA-Botschaften kontextspezifisch auf einzelnen Seiten eingebunden werden, eine "manuelle Webesteuerung" wie bei klassichen Affiliate-Anbietern entfällt. Damit verfolgt Google einen ähnlichen strategischen Ansatz wie das neue kontextspezifische Werbeprogramm von eBay - und so ist es vielleicht auch kein Zufall, dass das neue Google-Programm kurz nach der Ankündigung von eBay gelauncht wird.
- Über die automatisierte Optimierung der Werbeeinblendungen "lernen" die Google-Algorithmen im Zeitverlauf, welche Werbeformate an welchen Werbeplätzen zu den höchsten Umsätzen für Google (und damit auch für den Publisher) führen. Die CPA-Abrechnung steht also in direkter "Konkurrenz" zur CPC- oder TKP-basierten Werbeeinblendungen und ist somit eine Ergänzung zu diesen Werbeformen.
Der Algorithmus richtet's automatisch ...
Durch den inhärenten "Konkurrenzkampf" der verschiedenen Abrechnungsmöglichkeiten werden Werbeeinblendungen, die keine Aktionen (und somit keinen Umsatz) generieren, durch Werbeeinblendungen mit CPC- oder TKP-Abrechnung "verdrängt". Damit werden sich in dem CPA-Programm also nur solche Werbeeinblendungen durchsetzen, die im Vergleich zu ihrer Konkurrenz überdurchschnittlich hohe Konvertierungsraten auf die generierten Click-Throughs erzielen.
De facto ist dieser Mechanismus heute schon in allen Online-Werbeformen möglich: Über das Tracking der Konvertierungsmechanismen können Werbetreibende bis auf den Cent genau berechnen, wie viel Umsatz (oder andere "Aktionen") ihnen eine konkrete Online-Kampagne für das investierte Werbebudget generiert - und mit dieser Informationen ihre Kampagnen optimieren.
Bislang erfordern diese Auswertungen jedoch die Implementation von fortgeschrittenen Tracking-Mechanismen, die sich gerade kleinere Werbekunden nicht leisten können. Mit dem CPA-Programm stellt Google diesen Kunden nun ein "fertiges Tool" zur Verfügung, und forciert damit einmal mehr den Trend hin zu einer vollkommenen Erfolgstransparenz in den Online-Werbemärkten.
Am Ende dieser Entwicklung steht ein "vollkommener Werbemarkt", in dem jeder Werbeplatz über "lernende" Algorithmen mit genau jener Werbung ausgefüllt, die den größten Umsatz generiert. Ob die Abrechnung mit dem Publisher und Werbetreibenden dann über CPC, TKP oder CPA erfolgt, ist letztlich irrelevant, solange alle Beteiligten Zugriff auf die notwendigen Tracking-Daten haben. Allerdings positioniert sich Google mit dem CPA-Programm einmal mehr als zentrale Plattform für die Optimierung von Werbekampagnen - und forciert damit seinen Anspruch auf eine Rolle als zentrale Vermarktungsplattform in der Online-Werbung.