In einem interessanten Post argumentiert Greg Sterling von Search Engine Land gegen die Monopolvorwürfe gegen Google und "belegt" seine Argumentation mit einer Reihe von Charts. Zwar habe Google, so Sterling, mit einem Marktanteil von rund 30% aller Online-Werbeausgaben eine dominante Stellung in den Online-Märkten. Gemessen am Gesamt-Werbekuchen (USA) verantworte Google jedoch nur weniger als 3% aller Werbeausgaben, von einer "Monopolstellung" könne man daher nicht sprechen.
Das zeigt sich laut Google auch an den Umsatzzahlen und der Marktkapitalisierung im Vergleich mit anderen Unternehmen: Trotz der gefühlten Marktdominanz liege Google bei diesen Kriterien noch weit hinter anderen Großunternehmen wie Microsoft, IBM oder AT&T. Die Schlussfolgerung: Google sei zwar ein Wachstumsunternehmen, würde allerdings eher den Wettbewerb beflügeln als ihn über eine Monopolstellung einschränken.
Die Argumente sind richtig und gleichzeitig falsch: Natürlich hat Google gemessen an Umsatzzahlen und Marktaneilen kein Monopol in den Werbemärkten, noch nicht einmal in der Online-Werbung. Gleichzeitig jedoch geht die eigentliche "Marktmacht" des Unternehmens deutlich über die direkte Monetarisierung hinaus. So betreibt Google inzwischen eine Vielzahl von Services, die derzeit nur geringen oder gar keinen Umsatz erbringen, dem Unternehmen jedoch signifikante Vorteile bei der strategischen Besetzung wichtiger Schnittstellen in den Online-Märkten bringen. Beispiele?
- Google Analytics (ein kostenloses Programm zu Traffic-Auswertung von Webseiten) generiert keinen Cent direkten Umsatz. Aber: Es liefert Google wertvolle Daten zur Webnutzung weltweit, Kritiker witzeln, Google wisse inzwischen mehr über die Nutzung einzelner Websites als deren Betreiber selbst.
- Gmail generiert ebenfalls kaum Umsätze, ist aber einer der wichtisten Anreizpunkte für eine Google-Registrierung tausender Nutzer, die wiederum die Grundlage für deren Profilierung und Cross-Vermarktung ist
- Das neue Programm Wave hat keinen geringeren Anspruch, als den kompletten Kommunikationsraum des Nutzers zu managen.
- Über Google AdSense setzt Google Cookies auf den Rechnern aller Nutzer, die AdSense-Partnerseiten aufsuchen - und überwacht deren gesamtes Webverhalten.
- Google Maps - praktisch und kostenlos - generiert keine direkten Umsätze, ist aber inzwischen zum "Quasi-Standard" der Online-Kartendarstellung geworden. Gleichzeitig werden über Google Earth kontinuiertlich Geo-Daten gesammelt, die in eine vollständige Geo-Verschlagwortung der Welt hinzielen.
Viele dieser freundlichen Google-Programme generieren zwar (noch?) keinen direkten Umsatz, dafür aber etwas viel wertvolleres: Daten! Da diese jedoch die Grundlage für die Implementierung künftiger Geschäftsmodelle sind, sammelt Google derzeit einen Kapitalstock, der sich mit direkten finanziellen Kriterien nicht messen lässt.
Mit seinen Daten und Applikationen positioniert sich Google schon heute als "Backend" des Internets, und erreicht damit eine "marktbeherrschende" Stellung, die weit über die finanziellen Marktanteile hinausgeht. So mag es zwar sein, das Zeitungen (noch) 13% aller Online-Werbeerlöse verantworten. Wenn die Webseiten dieser Zeitungen jedoch mehr als 50% ihres Traffics von Google beziehen, die Hälte der Applikationen nur mit Google-Tools läuft, Google die Nutzerprofile und damit die notwendigen Daten für eine erfolgreiche Monetarisierung der Nutzer, dann ist dieser Umsatzanteil nur wenig aussagekräftig - vor allem, wenn neben Umsätzen auch die Gewinnmarge betrachtet wird. De facto teilt Google in einem solchen Szenario einen guten Teil ihrer Umsätze nach Gütdünken zu. So können Verlage (und viele andere Online-Player) das Internet-Ökosystem befeuern, während Google als zentrale Schaltstelle die Margen abschöpft.


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