Einen Kampf gegen Windmühlen nehmen nun die Zeitungsverlage in Nordrhein-Westfalen auf: In einem großangelegten Projekt sollen rund 200.000 Schüler der neunten Klassen sämtlicher nordrhein-westfälischer Schulen ein Jahr lang täglich kostenlos mit Zeitungen versorgt werden - so jedenfalls die Ansage von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
Die Nachricht ist nicht nur befremdlich, sie sogar erschreckend: Seit Jahren zeigen belegen alle Untersuchungen des Medienkonsums, dass das Internet die Zeitung als Informationsmedium nicht nur verdrängt, sondern das sogar eine ganze Generation von Menschen heranwächst, die als sogenannte "digital natives" das Internet als selbstverständliche Quelle ihrer Informationsversorgung betrachten. Zeitungen sind für diese Generation nicht nur gestrig, sie werden einfach nicht mehr gebraucht bzw. wahrgenommen.
Wer diese Entwicklung durch großangelegte Subventionsprogramme umkehren möchte, ist nicht nur naiv, sondern belegt auch seine Unfähigkeit zum Management eines Medienhauses im digitalen Zeitalter. Anstatt in die die längst überfällige Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle zu investieren, ver(sch)wenden die vom Strukturwandel betroffenen Verlagsmanager ihre Finanzmittel lieber einen hoffnungslosen Rettungsversuchs eines überkommenen Medienmodells. Und es würde nicht verwundern, wenn schon bald der Ruf nach öffentlichen Subventionen für ähnliche Aktionen laut wird.
Vielleicht können sich andere Branchen an dem NRW-Vorstoß ein Beispiel nehmen:
- Die Musikindustrie könnte z.B. subventionierte Schallplattenspieler vertreiben (das würde auch dem frevelhaften illegalen Musik-Download entgegenwirken).
- Die Post könnte ein bundesweites Suventionsprogramm anlegen, mit dem Emails künftig als Audruck verschickt werden (damit wäre gleich auch das Spam-Problem erledigt)
Diese Vorschläge sind nicht ernstzunehmen? Mag sein, doch ebensowenig verständlich ist die völlig unreflektierte mediale Berichterstattung (der Printmedien) über den NRW-Vorstoß. Anstatt ein offensichtlich unsinniges Unterfangen als solches auch zu kommentieren (wie dies die ansonsten wirtschaftsliberale FTD gern tut), wird der Vorstoß als unkommentierte Nachricht verkauft. Das mag vielleicht daran liegen, dass sich niemand gern sein eigenes Grab schaufelt, ein Beispiel für intelligenten Journalismus ist es nicht.


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