Mit einer neuen Erweiterung versucht Google, seinen kontextuellen Werbemarktplatz AdWords weiter zu einem allumfassenden Werbenetzwerk auszubauen. Seit kurzem können Werbetreibende ihre Gebote nicht nur auf Schlüsselwörter, sondern auch auf demographische Zielgruppen-Kriterien einschränken. Zurzeit ist dies nur bei wenigen Adwords-Partnern möglich, in Zukunft soll das Netzwerk soziodemographisch targetierbarer Seiten jedoch weiter ausgebaut werden.
Neu ist dieser Ansatz natürlich nicht, schließlich wird die soziodemographische Targetierung einzelner Nutzer schon heute von sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace angeboten. Anders als diese Anbieter setzt Google bei seinem Werbetargeting jedoch auf eine Kombination von demographischen und kontextuellen Daten, die eine deutlich detaillierte Werbesteuerung ermöglicht. "Zeige meine Anzeige allen 18-40-jährigen Frauen, die gerade einen Text zum neuen Nissan lesen" - ein solches Szenario zeigt das Potential dieser Kombination.
Google's Stärke bei der kontextuellen Anzeigensteuerung könnte sich demnach mit den Vorteilen demographischer Steuerungskriterien potenzieren, sofern die notwendigen Daten hierzu vorliegen. Und genau hier ist der Haken: Unter den reichweitenstarken Online-Angeboten verfügen zurzeit fast ausschließlich soziale Netzwerke über detaillierte soziodemographische Daten einzelner Nutzer. Gleichzeitig ist auf diesen Netzwerken - von etwaigen "inhaltestarken" Bestandteilen wir Foren abgesehen - der kontextuelle Aussagewert einzelner Seiten-Abrufe nur begrenzt. Online-Publisher, deren Inhalte einen aussagekräftigen Kontext übermitteln, verfügen hingegen nur selten über demographische Daten ihrer Nutzer.
Dieses Problem könnte in einer künftigen Ausbaustufe umgangen werden, in dem die domographischen Daten von Nutzern (z.B. aus sozialen Netzwerken) z.B. über einen Cookie auch auf anderen Webseiten (z.B. von Publishern) "weitergeführt" werden. Abgesehen von Datenschutz-rechtlichen Fragen müssten hierzu die "Profilgeber" allerdings eine Incentivierung erhalten, etwa eine Beteiligung an den Mehreinnahmen durch die demographisch induzierte Anzeigensteuerung auf Drittseiten. Dieses Modell wird heute schon erfolgreich von Behavioural Targeting-Anbietern praktiziert. Allerdings verfolgen diese den Kontext besuchter Webseiten anonym (also ohne eine Kenntis der Nutzernamen). Zwar müssten die Nutzernamen auch bei einer demographischen Steuerung nicht weitergegeben werden, doch könnte allein das Wissen um die Bekanntheit der Nutzerdaten auf Seiten der Profilgeber schon für einen Aufschrei sorgen.
In der Zwischenzeit erhalten Publisher, die neben einem Kontext auch demographische Daten einzelner Nutzer liefern können, einen deutlichen Vorteil bei der Platzierung kontextueller Werbung. Darin zeichnet sich einmal mehr die Entwicklung hin zu einem perfekten Werbemarkt ab, in dem sämtliche Targeting-Möglichkeiten (Contextual, Behavioural, Demographic) zu einem Optimierung der Gesamt-Steuerung herangezogen werden.





