In unserer Studie "Grid-Media - (Überlebens-)Strategien für Publisher im digitalen Zeitalter" haben wir eine vernetzte Medienwelt prognostiziert, in der Informationen, Applikationen, Profilinformationen und Werbebotschaften on demand und kontextspezifisch aus verschiedenen Quellen kompiliert werden. Unsere Vision war ein personalisiertes Interface, über das ein Nutzer sämtliche für ihn relevanten Informationen aus allen relevanten Quellen abrufen kann.
Ein halbes Jahr später holt die Realität unsere Prognose - wieder einmal - ein. Mit Open Social hat Google eine Plattform lanciert, die es Entwicklern ermöglicht, über eine offene Schnittstelle (API) Applikationen in eine Vielzahl von Social Networks zu integrieren. Damit propagiert Google eine offene Schnittstellen-Architektur, die anders als etwa die Facebook-APIs keine propietären Insellösungen für einzelne Plattformen erfordert. Zu den illustren Startpartnern gehören u.a. MySpace, LinkedIn, Ning, Flickr und Hi5, die insgesamt mehr als 200 Millionen Nutzer erreichen.
Ein schnelles Ende von Facebook wird dies wohl kaum bedeuten, und noch ist unklar, ob alle Nutzer mit dem mit OpenSocial verbundenen Transfer ihrer Daten zwischen verschiedenen Netzwerken einverstanden sind. Sicher ist aber, das mit der offenen Schnittstelle eine neue Innovationswelle beginnen wird, in der die Welt der Webapplikationen ein weiteres Stück zusammenwachsen wird. Das folgende Google-Video zeigt einige beeindruckende Beispiele solcher Anwendungen und sei (trotz seiner Länge) jedem Medienmanager als Augenöffner empfohlen. Denn eines ist sicher: In einer vollkommen vernetzten Medienwelt haben Online-Angebote, die auf proprietäre Inselangebote eingeschränkt sind, nur geringe Erfolgschancen. Eine Nachricht, die insbesondere die deutsche Verlagsbranche bei ihren Online-Strategien noch lange nicht berücksichtigt.


"ob alle Nutzer mit dem mit OpenSocial verbundenen Transfer ihrer Daten zwischen verschiedenen Netzwerken einverstanden sind"
Irgendwer hat doch geschrieben, dass Opensocial gerade NICHT den Transfer von Userdaten innerhalb der versch. Netzwerke zulässt. Sondern nur eine Plattform für die gleichen Anwendungen ist.
Kommentiert von: Norman | 12. November 2007 um 13:55 Uhr
Bei den geplanten Applikationen werden notwendigerweise auch Nutzerdaten transferiert, andernfalls würden sich die Möglichkeiten des Social Networking innerhalb der Applikationen nicht verwirklichen lassen. Wenn beispielsweise eine Konferenzsoftware dem Nutzer ermöglicht, automatisch festzustellen, welche seiner Kontakte aus verschiedenen Netzwerken an bestimmten Konferenzen teilnehmen, werden dabei natürlich auch die entsprechenden Nutzerdaten transferiert. Insofern kann sich Open Social als erster Schritt hin zu einer "Unique ID" herauskristallisieren, mit der sich ein Nutzer mit einem Login auf verschiedenen Plattformen einloggen und zwischen diesen sein Profil transferieren. Eine derartige Lösung wäre - zumindest aus Sicht der Nutzer - sicherlich attraktiv: So stellt sich schon heute die Frage, auf wie vielen Plattformen ein Nutzer nun eigentlich seine Daten eingeben möchte, und ob jemand bereit ist, sein Profil auf mehreren Plattformen parallel zu pflegen.
Kommentiert von: DT | 15. November 2007 um 11:46 Uhr