Mit einem neuen Zugangsmodell möchte die Financial Times die Vorteile eines kostenlosen Online-Zugangs mit einem Paid Content-Modell verbinden. Ab Mitte Oktober können Nutzer auf FT.com einer begrenzten Anzahl von Premium-Artikeln pro Monat kostenlos abrufen. Wird diese Grenze überschritten, können weitere Artikel nur bei einem kostenpflichtigen Jahres-Abonnement abgerufen werden (€119 - €319).
Bislang konnten auf FT.com nur Artikel ohne Business-Bezug kostenlos abgerufen worden, alle anderen Contents setzten ein Jahresabonnement voraus. Zwar konnte die FT auf diese Weise mehr als 100.000 zahlende Abonnenten gewinnen, die angeblich rund 10-13 Mio. Euro Abogebühren pro Jahr generieren. Durch die Ankündigung von Rupert Murdoch, das Wall Street Online auf eine "Kostenlos-Strategie" im Internet umzustellen, gerät die FT jedoch unter Druck.
Die Überlegung eines kombinierten Gratis-/Abomodells erscheint zwar auf den ersten Blick etwas verwirrend, könnte sich aber als strategisch intelligenter Schachzug erweisen - und vielleicht einen möglichen Paid-Content-Ansatz auch für andere Publisher aufzeigen. In dem neuen Modell nimmt die FT eine zweifache Staffelung des Zugang vor:
- 1-5 Artikel: kostenloser Zugang ohne Registrierung
- 6-30 Artikel: kostenloser Zugang mit Registrierung
- > 30 Artikel: kostenpflichtiger Zugang
Mit dem kostenlosen Zugang ohne Registrierungsbarrieren ermöglicht die FT Suchmaschinen, alle Premium-Artikel zu indexieren. Zudem können Blogger, Digger und andere Web 2.0-Aktivisten auf die Artikel verlinken, ohne ihre Nutzer mit einer notwendigen Registrierung zu frustrieren. Damit schafft die FT die Grundlage für eine höhere Link-Präsenz im Internet und eine einhergehende Erhöhung der Zugriffszahlen.
Mittelmäßig Wirtschafts-Interessierte (z.B. Privatnutzer) können bis zu 30 Artikel pro Monat abrufen, ohne eine Abo-Hürde zu überwinden. Aufgrund ihrer Restrierung kann das Nutzungsverhalten dieser User getrackt und für hochtargetierte Werbung eingesetzt werden.
Professionelle Nutzer, die mehr als 30 Artikel pro Monat abrufen möchten, können dies nur auf der Grundlage eines Abonnements. Laut Aussage der FT ist die Zahl 30 keine zufällige Zahl, sondern beruht auf einer intensiven Studie des Nutzungsverhaltens. Anders gesagt: Professionelle oder semiprofessionelle Nutzer wie die heutigen Abonnenten von FT.com benötigen i.d.R. eine höhere Anzahl von Artikeln pro Monat, für die sie jedoch auch zu zahlen bereit sind.
Läuft alles nach Plan, dürfte die FT durch die Umstellung also keine oder nur wenige zahlende Abonnenten verlieren, gleichzeitig aber ihre Marktpräsenz, ihre Zugriffszahlen und letztendlich auch Ihre Online-Werbeeinahmen steigern. Die kombinierte Gratis-/Paid-Strategie der FT ist daher ein Experiment, das einen möglichen Online-Vermarktungsansatz für Publisher mit Premium-Contents aufzeigen könnte.


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