Was lange währt, wird endlich gut: Es sieht so aus, als ob die Microsoft-Anstrengungen in Sachen Suche nun endlich einige Nutzer gefunden haben. Darauf deutet jedenfalls eine Analyse von Compete (einem Wettbewerber von ComScore) hin, wonach die Suche von MSN und Microsoft's Live Search im Juni einen Marktanteil von 13,2% aller US-Suchanfragen erzielt haben sollen. Glaubt man den Zahlen, würde dies einen Anstieg von 67,3% gegenüber dem Vormonat bedeuten - und Microsoft ein ganzen Stück näher an den Konkurrenten Yahoo mit einem Marktanteil von 19,6% heranbringen. Der Zugewinn von Microsoft geht dabei auf Kosten von Google, das deutlich Marktanteile verliegt.
Woran liegt's? Haben die Nutzer plötzlich die Stärken der Microsoft-Suche erkannt? Zeichnet sich gar ein Ende der Technologie-Dominanz von Google ab? Keineswegs. Laut einem Blog-Post von Compete-Analyst Steve Willis stammt ein Großteil der zusätzlichen Live-Suchanfragen aus dem Microsoft Live Search Club - und hier werden die Nutzer für Ihre Microsoft-Suchen kräftig belohnt. Bei jeder Live Suche erhalten sie Microsoft-Punkte, die dann wiederum in Microsoft-Produkte umgetauscht werden können. Oder anders gesagt: Microsoft bezahlt für die Nutzung seiner Angebote - wenn auch noch nicht in realen Dollar.
Das Ergebnis ist laut Willis verblüffend: Von Mai bis Juni sei die Zahl der Unique Visitors im Live Club von 330.000 auf 3 Millionen angeschwollen. Eine andere Frage (neben der Verlässlichkeit der Zahlen) ist jedoch, wie stabil diese Nutzerschaft ist. Oder zeigt Microsoft hier den Weg zu einem neuen Geschäftsmodell, in dem Nutzer an den durch sie generierten Werbeeinahmen beteiligt werden?
Wirklich neu wäre ein solche Ansatz nicht: Die Suchmaschine Blingo etwa vergütet ihre Nutzer schon seit einer Weile für deren Suchanfragen (in diesem Fall über Gewinnspiele). Das US-Unternehmen e-Rewards bietet Flugmeilen gegen Werbung, Mobilfunkanbieter wie Virgin Mobile oder Xero Mobile vergeben sogar freie Gesprächsminuten für den direkten Werbekonsum. Und auch wenn die "bezahlte Suche" keine direkte Werbevergütung ist, baut sie doch auf einem ähnlichen Mechanismus auf, da das angebotene "Produkt" (die Suche) ohne Gegenleistung nicht oder nur kaum genutzt wird.
Bleibt die Frage, ob Microsoft damit (a) nur eine kurzfristige Zwischenlösung zur Vermarktung der eigenen Suche anvisiert, ob dann (b) die Live-Nutzung bei einer Anschaffung der Bonuspunkte wieder zurückgeht oder ob (c) das Geschäftsmodell der Nutzervergütung sogar langfristig tragbar ist (wenn nämlich die mit der Suche verbundenen zusätzlichen Werbeerlöse die Kosten der "Nutzerbestechung" übersteigen). Was meinen Sie?