Können Konsumenten den Erfolg von neuen Büchern, CDs, TV-Shows oder Filmen vorhersagen? Daran glaubt zumindest Media Predict, ein virtueller Marktplatz für die Medienindustrie. Auf der Plattform können Nutzer wie an einer Börse Anteile neuer Medienprodukte handeln - je nachdem, wie große Erfolgsaussichten sie dem jeweiligen Produkt in der realen Welt einräumen.
Bei der Registrierung erhalten die Nutzer ein "Grundkapital" von 5000 virtuellen Dollar. Anschließend scannen sie den Markt nach Neuerscheinungen, Skripten und TV-Piloten. Je nach Potential des Produktes entwickelt sich nun ein Handel, wobei der "Preis" der Anteile die jeweiligen Erfolgsaussichten des Produktes aus Sicht der Nutzer spiegelt (ein Preis von $38 reflektiert z.B. eine Erfolgsaussicht von 38%). Wird eine Produkt tatsächlich lanciert (z.B. durch die Publikation eines Buchmanuskripts), erhalten die Nutzer für ihre Anteile einen Payoff von 100 US-Dollar. Setzt sich das Produkt in der realen Welt nicht durch, sinkt der Wert der Anteile auf Null.
Was zunächst wie ein reines Spiel aussieht, soll sich aus Sicht von Media Predict zu einem handfesten Business-Modell entwickeln. Durch die Akkumulation der Nutzer-Erwartungen hofft die Firma, eine realen (und damit geldwerten) Leitfaden für erfolgreiche Produktlancierungen in der Medienindustrie zu entwickeln. Der US-Publisher Touchstone Books beispielsweise hat bereits einige Top-Manukripte von Media Predict veröffentlicht, in der Hoffnung, dass die Meinung der Nutzer ein sichereres Erfolgsbarometer als die reine verlegerische Auswahl bietet.
Nutzer-Plattformen zur Prognose von Produkten und Dienstleistungen haben sich schon in anderen Bereichen äußerst erfolgreich erwiesen, etwa in der Finanzindustrie oder bei der Vorhersage von Sportergebnissen (mehr dazu in meinem Beitrag zum Wisdom of the few). Mit dem Angebot von Media Predict nutzt erstmals eine Webfirma die Vorhersagekraft der Nutzer zur Trendforschung in der Medienindustrie - ein Ansatz, der sich bei Erfolg als durchaus revolutionär erweisen könnte.



Einen ähnlichen Service für Filme bietet auch die "Hollywood Stock Exchange" (http://www.hsx.com/).
Dazu im Spiegel: "Seit 1996 ist die HSX online, inzwischen spielen mehr als 600.000 Händler mit, knapp 50.000 Transaktionen wickelt die Börse am Tag ab. In den vergangenen drei Jahren haben die Kurse an der HSX die Oscar-Gewinner in den acht wichtigsten Kategorien fast perfekt vorhergesagt (nur acht Prozent Fehlerquote)." (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,487870,00.html)
Und auch für Computerspiele gibt es bereits eine Prognosebörse: http://thesimexchange.com/
Kommentiert von: Tom | 12. Juni 2007 um 10:20 Uhr