Die Lokale Online-Suche ist einer der vielversprechendsten Wachstumsmärkte im Internet. Nach Schätzungen der Kelsey-Gruppe soll der Umsatz mit lokaler Online-Werbung in den nächsten vier Jahren auf 2,6 Milliarden US-Dollar anwachsen, ein Großteil davon wird auf die lokale Suche entfallen. Schon heute haben ein Viertel aller Suchanfragen im Internet einen lokalen Bezug - mit steigender Tendenz.
Trotz dieser attraktiven Marktchancen hat sich in der lokalen Suche - anders als bei allgemeinen Suchanfragen - bislang noch kein dominanter Anbieter herauskristallisiert. Zwar dominieren die großen Suchanbieter Google, Yahoo, MSN und Ask.com aufgrund des Ausbaus ihrer lokalen Suchfunktionen auch die Statistiken bei lokalen Suchanfragen, doch liegt ihr Marktanteil in der lokalen Suche noch deutlich unterhalb ihrer erdrückenden Marktdominanz bei der allgemeinen Internetsuche.
Diese Lücke bietet (noch) Marktchancen für neue Anbieter, doch wie können diese den großen Suchmaschinen mit ihrer überlegenen Indexierungs- und Kartentechnologie Paroli bieten? Eine mögliche Alternative liegt in der massenhaften Generierung spezieller Nischensites für lokale Suchanfragen, denn noch ist es keinesfalls bewiesen, dass die lokale Suche ebenfalls durch eine überregionale Marke dominiert werden muss.
Eine solche Strategie von dezentralisierten lokalen Website verfolgt seit einigen Jahren etwa Topix, das über intelligente Indexierungs- und Zuordnungsmechanismen automatisch rund 32.500 "lokale" Nachrichtenseiten generiert. Im Fall von Topix geht es dabei zuvorderst um die Push-Versorgung mit aktuellen Informationen, doch der dezentralisierte lokale Ansatz lässt sich auch auf Suchangebote übertragen.
100.000 lokale Nischenangebote
So hat das US-Startup Marchex vor wenigen Tagen ein Netzwerk von rund 100.000 lokalen Seiten lanciert, über die insgesamt rund 1,5 Millionen Business-Listings recherchiert werden können. Die Fragmentierung der Seiten erfolgt dabei entweder nach geographischen Orten (z.B. nach Postleitzahlen wie auf 90210.com für Beverly Hills), nach Themenräumen (z.B. auf locksmiths.com) oder nach einer Kombination aus beidem (z.B. auf denverautorepair.com). Sämtliche Nischensites bauen natürlich auf einer zentralen Datenbank auf, und umfassen fortgeschrittene Suchfunktionalitäten wie zusätzliche Thesaurus-Kategorisierungen, Kartenansichten oder User-Rating und -Reviews.
Screenshot: Marchex bietet rund 100.000 lokale Such-Interfaces
Auch in Deutschland gibt es mit MeineStadt.de einen Anbieter, der sich erfolgreich auf die Generierung von lokalen Nischensites spezialisiert hat, wenn auch hier redaktionelle Contents mit Suchoptionen gemischt sind. Durch den Lokal-Colorit ihrer Angebote können lokale Suchmaschinen also ein Gegenwicht zu den dominanten Marken der großen Suchmaschinen bei der allgemeinen Websuche schaffen.
Gleichzeitig steht aber auch fest, dass einzelne lokale Anbieter mittelfristig nicht mit den überlegen Such- und Kartenfunktionalitäten großer Anbieter mithalten können. Für die deutschen Regionalzeitungsverlage, die aufgrund der absehbaren Budget-Shifts hin zu lokalen Suchangeboten in den kommenden Jahren mit signifikanten Umsatzeinbrüchen bei der lokalen Print-Werbung rechnen müssen, steht die Uhr daher auf kurz vor zwölf. Wenn überhaupt, so haben deutsche Regionalverleger nur durch einem Zusammenschluss zu einer gemeinsamen Suchplattform eine Chance, ihr lokales Werbegeschäft erfolgreich auf das Internet zu übertragen. Dieser Zusammenschluss schließt keineswegs den Betrieb von lokalen Suchangeboten unter einzelnen Marken aus - im Gegenteil. Würden sich die deutschen Verleger auf eine gemeinsame White Label Plattform zu lokalen Suche einigen, könnten Sie durch die gemeinsame Technologie auch in ihren jeweiligen Nischenmärkten den großen Suchmaschinen Paroli bieten - und zugleich ihre lokalen Marken in das digitale Zeitalter überführen.



Dass früher oder später auch die Werbebudgets auf nutzergenerierte Plattformen umgeschichtet werden (müssen), ist eine vollkommen logische Konsequenz des Shifts der Nutzer hin zu solchen Plattformen. Wie heißt es so schön: "Money follows eyeballs!" Die jüngste eMarketer-Prognose wird daher sicherlich auch den einen oder anderen Gründer auf der Suche nach Risikokapital begeistern (und vielleicht sogar zum Kauf des kompletten Reports animieren). Wir anderen freuen uns ob einer solch genauen Kalkulation der fernen Zukunft, beglückwünschen die PR-Abteilung von eMarketer zu den rund 30.000 Webveröffentlichungen zu dieser Prognose (wir haben soeben eine hinzugefügt) und denken an ein Spiel aus unserer Jugend: "Malen nach Zahlen" (oder war es umgekehrt?).






