Neben meiner Tätigkeit als Strategy-Consultant und Zukunftsforscher bin ich unter anderem an Just Landed, einem Internet-Startup in Spanien beteiligt. Bei einer langen Abend-Diskussion mit mehreren Gläsern Wein kamen auf die Idee, alle Business-Prozesse, die mit Google-Applikationen laufen, mit "Google Flags" zu versehen. Das Ergebnis war beeindruckend: Mehr als 3/4 aller Applikationen waren mit Google-Flaggen versehen.
Was war passiert?
Langsam, aber stetig baut Google seine Webapplikationen zu einem Softwarepaket aus, das ein webbasiertes Management aller relevanten Unternehmensprozesse ermöglicht - zumindest jedenfalls bei kleinen und mittleren Firmen Die meist kostenfreien Angebote überzeugen durch ihr intelligentes Design, ihre Zuverlässigkeit und vor allem durch ihre zunehmende Integration. Stück für Stück ersetz Google damit den Einsatz stationärer (und kostenpflichtiger) Microsoft-Software. So auch bei Just Landed:
Unsere Firmeninternen Mail-Accounts läuft (nach diversen Frustrationen mit Yahoo Mail) inzwischen über GMail, was nicht nur das Spam-Management erleichtert, sondern auch die Zusammenarbeit von weltweit verteilten Mitarbeitern über funktionale Accounts (wie etwa jobs@...). - Google Calendar erlaubte uns die einfache Installation eines webbasierten Firmenkalendars - und ermöglicht ohne lästige Outlook-Synchronisation einen Überblick über alle relevanten Termine aller Mitarbeiter.
- Google Docs (Textdokumente und Spreadsheets) hat inzwischen das Hin- und Hermailen und Versionsmanagement von Dokumenten ersetzt, grundlegende Finanzkalkulationen können einfach von mehreren Standorten gemeinsam bearbeitet werden.
Und natürlich spielt Google auch im Management unseres eigenen Webauftritts eine überproportionale Rolle: Über Google Analytics läuft die Traffic-Analyse unserer Webseiten, über Google AdSense erzielen wir einen Teil unserer Werbeumsätze, um nur einige Beispiel zu nennen.
Natürlich sind diese Angebote im Markt bekannt, und doch zeigt erst die "reale Erfahrung", welche Kraft hinter der Google-Strategie steckt. Vor wenigen Wochen fiel auf einer mehrtägigen Geschäftsreise mein Laptop aus, neben meinen Terminen schien ich zunächst zur Untätigkeit verdammt. In einem Internet-Café fand ich schließlich einen Arbeitsplatz - und loggte mich in unsere Systeme ein. Nach wenigen Stunden war mir klar, dass meine Laptop-freie Zeit keineswegs unproduktiv sein würde - die meisten Aufgaben erledigte ich ohnehin im Browser-Fenster.
Was also ist der nächste Schritt für Google?
Zunächst einmal müssen die bestehenden Angebote weiter ausgebaut werden, was zweifelslos geschehen wird. Parallel wird Google die fehlenden "Web-Bausteine" für mittlere Unternehmen lancieren. Als nächstes dürfte meiner Meinung nach ein webbasiertes, kostenfreies CRM-System als Alternative zu Salesforces & Co. auf der Agenda stehen, zu dem es schon seit längerer Zeit Spekulationen gibt.
Der Launch eines CRM-Systems wäre für Google aus mehreren Gründen konsequent:
(1) CRM-Systeme sind prädestinierte Web-Applikationen, wie der Erfolg von Salesforce bewiesen hat. Doch auch die (vergleichweise günstigen) Lizenzkosten von Salesforce werden sich nicht halten lassen können. Schon heute gibt es eine Reiher guter Open-Source-CRMs, die allerdings noch eine eigene Installation erfordern. Der Launch eines kostenlosen (oder äußerst) günstigen CRM-Systems ist daher überfällig, und lässt sich mittelfristig auch über Werbeeinnahmen refinanzieren.
(2) Ein Google CRM-System wäre die logische Erweiterung von Google Analytics, das heute schon ein nahtloses Tracking von AdWords-Kampagnen (und künftig wahrscheinlich auch von Double-Click-Kampagnen) ermöglicht. Mit dieser Integration könnten Google's Werbekunden die Konvertierungen ihrer Werbung bis zum eigentlich Verkauf (auch bei Offline-Verkäufen) verfolgen - und damit automatisch den "Return on Advertising" ihrer Kampagnen ermitteln. Dass Google sich damit noch stärker als zentraler Hub der Online-Werbung positionieren würde, versteht sich von selbst.
(3) Nicht zuletzt lässt sich ein CRM nahtlos mit den bestehenden Google Webapplikationen integrieren. Beim Aufruf eines Kunden über das
Google CRM erhielten Mitarbeiter so beispielsweise automatisch auch die gesamte Email-Korrespondenz mit diesem Kunden (auch von anderen Mitarbeitern) sowie alle relevanten Dokumente (Angebote, Rechnungen etc.) angezeigt. Schon heute integrieren Anbieter wie Real Simple Systems ihre CRM-Systeme mit Gmail, während andere Anbieter CRM-Gadgets für die personalisierbare Google Homepage lancieren. All diese Angebote zeigen jedoch nur einen minimalen Bruchteil der künftigen Inegrationsmöglichkeiten auf.
Welche Rolle spielt Google in Ihrem Business? Welche Anwendungen fehlen, um Google zu einer wirklichen Alternative zu Produkten von Microsoft & Co. zu machen?


Die Zeit holt alle Prognosen ein. Anscheinend steht Google in Verhandlungen mit Salesforce, um das webbasierte Sales-Force CRM mit den sonstigen Google Aps zu verbinden: http://online.wsj.com/article/SB117971633297309236.html?mod=e-commerce_primary_hs.
Na also!!
Kommentiert von: Daniel Tschentscher | 22. Mai 2007 um 10:53 Uhr