Social Networks als "digitale Beziehungsverstärker" sind spätestens seit der Web 2.0-Euphorie selbst bei traditionellen Medienmanagern bekannt. Ob MySpace, OpenBC oder CyWorld - sowohl im Privat- als auch im Berufsleben haben sich Online-Netzwerke inzwischen als fester Bestandteil der Kontaktpflege etabliert.
Tatsächlich aber sind Social Networks der heutigen Generation nur der Anfang einer Entwicklung, die die tradierten Geschäftsmodelle auch völlig fremder Branchen auf den Kopf stellen könnten. Denn in Netwerken entstehende "Mitglieder-Transparenz" anhand gegenseitiger Empfehlungen ermöglicht völlig neue Geschäftsmodelle, auch als „User-to-User-Modelle“ bezeichnet werden könnten Dabei handelt es sich um Modelle, die über die Nutzung von Peer-to-Peer-Beziehungen traditionelle Intermediäre ausschalten bzw. diese durch die Nutzer selbst ersetzen.
Ein Beispiel für einen solchen Ansatz liefert das im Oktober 2006 gelaunchte „Jobvermittlungs-Netzwerk“ Blue Chip Expert. Registrierte Mitglieder können auf Blue Chip Experts ihr Profil für Recruiter einstellen und weitere Freunde und Bekannte in ihr persönliches „Netzwerk“ einladen. Wird einer der Bekannten über die Recruiting-Plattform in einen Job vermittelt, erhält der „Referrer“ eine Provision auf die Vermittlungsgebühr von 25% des vereinbarten Jahresgehalts, die Blue Chip Experts von der anstellenden Firma erhält. Über eine „Provisionspyramide“ werden zudem auch vermittelte Kontakte 2., 3. und 4. Grades vergütet.
Ein ähnliches Modell verfolgt die in 2005 gelaunchte Vermittlungsplattform Zubka, die den auf rund 11 Mrd. Euro geschätzten britischen Markt von persönlichen Jobvermittlungen abschöpfen will. Nach Angaben von Zopa haben 69% der Briten bereits durch eine persönliche Empfehlung einen Job vermittelt, 89% von ihnen erhielten dafür keinerlei Vergütung. In Zukunft will Zubka 80% der bei einer Jobvermittlung eingenommenen Vermittlungsgebühren an die Mitglieder der Plattform ausschütten.
Auch in anderen Branchen lassen sich User-to-User-Modelle über soziale Netzwerke abbilden: Die Finanzplattformen Zopa und Prosper agieren beispielsweise als „Vermittlungsplattformen“ für private Kreditvergaben und setzen dabei auf soziale Netzwerkmechanismen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer. Auf der US-Plattform Daylo können Privatnutzer hingegen über ihre Profile Dienste (wie z.B. Babysitting oder Gartenanbeiten anbieten und sich gegenseitig bewerten.
Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung werden künftig voraussichtlich weitere geschäftliche und soziale Interaktionen zwischen individuellen Nutzern „virtualisiert“. Die in der realen Welt existente „Reputation“ der Nutzer wird dabei sukzessive in den digitalen Raum übertragen und zu einem wichtigen Asset der eigenen Vermarktung – ein Phänomen, das von vielen Technologiebeobachtern auch als Zeitalter der „Reputation Economy“ bezeichnet wurde. Mehr Informationen zum Thema gibt es in unserer neuen Studie Grid Media - (Überlebens-)Strategien für Publisher im digitalen Zeitalter.
Kennen Sie weitere Beispiele für die Ausschaltung von Intermediären über Social Networks? Und wie sieht es in ihrem eigenen Geschäftsumfeld aus? Brauchen Sie Ihre Kunden noch, und wenn ja: Wie lange?


Guter Artikel! Allerdings geht das Thema der "User-to-User-Geschäftsmodelle" weit über die genannten Beispiel hinaus. Tatsächlich können über das Internet inzwischen auch lokale Dienstleistungbranchen bzw. -unternehmen als "Organisatoren von Leistungen" ausgeschaltet werden.
Ein gutes Beispiel für einen solche Ansatz findet sich auf domystuff.com (http://www.domystuff.com/). Hier können Suchende sogenannte "Tasks" versteigern, zum Beispiel Research-Aufgaben, technische Dienste u.ä. Dabei kann der Suchende die potentiellen Anbieter nach Ratings, lokalem Standort und weiteren Kriterien eingrenzen.
Domystuff deponiert dann als "Trustee" den vereinbarten Betrag als Sicherheit bis zur Abnahme der Dienstleistung und übernimmt anschließend die Auszahlung. Kurzum: Hier werden die klassischen Aufgaben einer Unternehmens-Organisation auf einer Webplattform abgebildet - vollautomatisiert und gegen eine Kommission von 7-10%. Vergleicht man diese Kommission mit der durchschnittlichen Differenz zwischen dem Gehalt eines Angestellten im Dienstleistungssektor und seiner Produktivität, so zeigt sich der mögliche Effizienzgewinn durch solche Plattformen.
Kommentiert von: Bjoern | 17. April 2007 um 13:24 Uhr
Naja - so beeindruckend finde ich das jetzt auch nicht. In Deutschland gibt's das schließlich auch, siehe http://www.profis.de
Kommentiert von: Markus | 17. April 2007 um 16:24 Uhr