Seit Jahren streiten sich Verlage darüber, ob Google nun ein freundlicher Partner oder eher ein feindlicher Wettbewerber im Internet-Umfeld ist (die letzte VDZ-Tagung gab hiervon wieder einmal ein illustres Beispiel).
Beispiel Content: Auf der einen Seite konkurriert Google als Interface mit Verlagstools für Informationsrecherchen, auf der anderen Seite ist die freundliche Suchmaschine mit dem bunten Logo bei vielen Webangeboten von Verlagen für mehr als 50% des Traffics verantwortlich.
Beispiel Werbung: Auf der einen Seite nagt Google mit seinen steigenden Werbeeinahmen und seinem radikalen "Pay per click"-Ansatz an den jahrzehntealten Geschäftsmodellen von Verlagen im Werbeumfeld, auf der anderen Seite lassen sich durch AdSense-Einblendungen oftmals höhere Werbeeinnahmen erzielen als durch eine Eigen-Vermarktung des Werbeinventars.
Was also ist Google? De facto weder Freund noch Feind, sondern einfach die Grundlage des gesamten künftigen Internet-Werbegeschäftes (und wahrscheinlich auch des Content-Geschäfts). In einem kreativen Beitrag beschreibt Rober Young Google als "Betriebssystem der Werbeindustrie", das eine zentralisierte Werbebuchung über alle Medienplattformen hinweg ermöglicht. Obwohl Verlage von diesen Buchungen über Erlösbeteiligungen auch profitieren (siehe AdSense), raubt ihnen die mit der "Googelisierung" einhergehende Automatisierung der Werbebuchungen ein ihrer wichtigsten Assets aus heutiger Sicht: Den direkten Zugang zum Endkunden, in diesem Fall den Werbekunden.
Die Verlagerung der menschlichen Wertschöpfung auf maschinelle Algorithmen überführt dabei automatisch die Marktmacht der Wertschöpfung auf den Inhaber dieser Algorithmen: Google. Verlage, deren technologische Werbeplatzierungsmechanismen größtenteils auf der Internet-Steinzeit aufsetzen, können dieser Entwicklung nur durch eigene Technologien begegnen, wenn es dazu nicht bereits zu spät es.




