Glaubt man den Aussagen von Microsoft-Manager Rob Bennett, werden Nutzer der neuen MS-Video-Plattform "Soapbox" künftig für Ihre Beiträge vergütet. Mit der für Anfang nächsten Jahres angekündigten Plattform will Microsoft den Video-Börsen auf YouTube und MySpace Konkurrenz machen. Um die Nutzer zum Wechsel auf Soapbox zu bewegen, sollen diese für ihre Teilnahme noch nicht definierte Goodies erhalten, z.B. die auf der xBox verwendeten Microsoft Points oder Gustscheine für den künftigen Musik-Download Zune.
Die Idee, Nutzer auf Web 2.0 für ihre Beiträge zu kompensieren, ist so neu nicht: Bereits die Video-Plattformen Revver und Eefoof versuchen, ihre Nutzer durch Payments zum Wechsel von YouTube zu bewegen. Revver beispielsweise teilt die Erlöse, die durch die Einblendung von Werbebotschaften in die User-Videos erzielt werden, mit den Produzenten der Videos. Im August konnte die Firma auf diese Weise die Produzenten des YouTube Stars Lonelygirl15 gewinnen.
Trotz dieser Bezahlung ist beiden Plattformen bislang kein wirklicher Durchbruch gelungen: Während Revver ein mittelprächtiges Traffic-Wachstum vorweist, dümpelt Eefoof vor sich hin. Dabei greift das Gesetz der Netzwerkökonomie, nach dem Web 2.0-Plattformen mit jedem zusätzlichen Nutzer an Wert für die anderen Nutzer gewinnen. Damit wird eine natürliche Markteintrittsbarriere geschaffen: Stars wie Lonelygirl15 werden demnach auch künftig auf YouTube (>34 Mio. Nutzer) und MySpace (>100 Mio. Nutzer) gemacht, nicht auf Revver und Eefoof. Ob das Versprechen von kurzfristigen Entlohnungen diese Skaleneffekte aufheben kann, darf bezweifelt werden - schließlich winken bei Erfolg bei den Platzhirschen YouTube und MySpace mittelfristig höhere Erlöse als die kurzfristigen Vergütungen auf schlechtbesuchten Nischenplattformen.
Auch andernorten wird derweils fleißig an Bezahlsystemen für User-generierten Content gewerkelt: Die Plattform Crispynews ermöglicht Usern beispielsweise, eine eigene Usergenerierte Nachrichten-Community à la Digg.com zu starten - und verspricht im Gegenzug einen Anteil an den erzielten Werbeerlösen. Auf diese Weise sollen über die White Label Plattform von Crispynews eine Reihe von Nischencommunities geschaffen werden.
Auf größeres Interesse stieß die Idee von Chacha, einer neuen Suchmaschine, die mithilfe von realen (menschlichen) Guides eine Websuche durchführen soll: Laut einer Anonce auf Craigslist will Chacha professionellen Guides bis zu 20 US-Dollar pro Stunde zahlen (je nach Erfahrung 5-10 US-Dollar fixum + variablem Anteil). Nach Angaben von Co-Gründer Brad Bostic hat Chacha bereits rund 2.500 Guides (v.a. Studenten, Rentner und Menschen, die ohnehin den größten Teil des Tages vor dem Rechner verbrinden). Nur ein Teil der Guides wird für ihre Arbeit bezahlt, neben der direkten finanziellen Vergütung setzt Chacha auf die Reputationsmechanismen der Guide-Community, die u.a. über den Chacha Underground kommuniziert.
Finanziert werden soll das Angebot von Chacha durch Werbeeinnahmen. In der Praxis stellen sich die "Guides" vor allem bei komplexeren Fragestellungen (s.u.) allerdings noch als wenig hilfreich heraus - für einen überzeugenden USP gegenüber automatischen Suchmaschinen reicht die Qualität der Antworten nicht aus. Kalkuliert man dazu die Kosten für die User-Vergütung, stellt sich die Frage, wie Chacha mit seinem Angebot gegen Suchmaschinen wie Google & Yahoo bestehen will. Fest steht bislang nur eines: Die "Killeridee" für bezahlten (und bezahlbaren!!!) Nutzercontent muss erst noch gefunden werden!



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