Laut einer neuen Studie von Nielsen/NetRatings sind die Top10 Social Networking Sites im vergangenen Jahr um 47% gewachsen und erreichen mit 68,8 Millionen Nutzern inzwischen fast die Hälte aller Internetnutzer.
Das (wenig) Erstaunliche: Unter den Top10-Seiten ist nicht eine "traditioneller" Medienanbieter enthalten (wenn man einmal von der von Murdoch übernommenen MySpace-Community absieht). Selbst die klassischen Internet-Giganten MSN, Yahoo und AOL landen nur auf den Plätzen 5-6. Angeführt wird die Riege von Quereinsteigern wie MySpace, Blogger oder YouTube.
Kein Wunder, dass die großen Internet-Player mit aller Macht aufholen möchten. Mit seinem neuen Webdesign setzt Yahoo verstärkt auf die Einbindung von Web 2.0-Komponenten und Kontakten der Yahoo-Community, die neue Funktion Yahoo Pulse wertet Nutzerverhalten ständig nach neuen Trends aus. Auf Yahoo Answers können User ausformulierte Fragen einstellen, die dann von der Community beantwortet werden (für deutsche Nutzer von WerWeissWas sicherlich keine Neuigkeit).
AOL setzt mit der neuen Version des IM-Dienstes auf die Ausweitung der Community - über offene Schnittstellen sollen User eigene Funktionen erstellen und auf ihren AIM-Seiten integrieren. Mit AOL UnCut (Betafassung hier) will User die erfolgreiche Video-Plattform YouTube immitieren, auf der User eigene Video-Clips veröffentlichen und raten können.
Währenddessen apaptiert sich Google mit Google Bookmark seit kurzem das Free Tagging-Konzept von Flickr und Del.ici.us, mit dem über die Massenauswertung von freien Metaverschlagwortungen einzelner User automatisch sogenannte "Folksonomies" entstehen, die eine dynamische Verschlagwortung von Contents durch die Nutzer selbst ermöglichen. Allerdings hat Google Bookmark noch keine Social Tagging Funktion - vielleicht wird die ja zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
So sehr sich die Beispiele unterscheiden - sie zeigen, dass die Vision vom Nutzer als "Mediengestalter" längst schon Wirklichkeit geworden ist. Erschreckend ist jedoch, wie wenig deutsche Medienmanager diese Wirklichkeit berücksichtigen. Die obigen Beispiele, in den USA bereits vieldiskutiert, dürften bei vielen deutschen "Online-Verantwortlichen" noch nicht einmal bekannt sein.



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