Die deutsche Verleger lernen scheinbar nicht dazu: Anstatt sich mit der eigenen Existensberechtigung auseinanderzusetzen und einen dringend notwendigen Ersatz des toten Geschäftsmodells zu suchen, lässt es sich natürlich leichter nach Sündenböcken suchen.
Anders sind die jüngsten Äußerungen von Dietmar Wolff, Chef des Zeitunvsverlegerverband BDVZ nicht nachzuvollziehen. Der Hintergrund: 2010 schlossen die Verlage mit einem Umsatzplus von 0,7 Prozent ab, verglichen mit einem Wirtschaftswachtum von 3,3%. Mit anderen Worten: Das Sichtum schreitet voran, die spärlichen digitalen Geschäftsmodelle ersetzen nicht das sterbende Kerngeschäft.
Und was sagt der BDVZ - als offizielles "Sprachorgan" der Verleger?
- Die ARD und ZDF sind schuld - mit ihren Apps "wildern" sie im Terrain der Verleger. Zwar sind die Apps im gesamten Medienkonsum annähernd irrelevant, zwar weiß kein Mensch, ob und wann sich mit Content-Apps jemals Geld verdienen lässt (wahrscheinlich eher nicht) - aber dennoch, ein Buhmann ist zumindest da.
- Google ist schuld - siehe Kartellverfahren bei der EU. Das ist einerseits fraglich, andererseits nicht die Kernfrage. Denn inzwischen wandert ein zunehmender Teil der Content-Monetarisierung (zumindest bei Nachrichten) von Goolge zu Facebook. Während Google selbst mit dem neuen Herausforderern des Content-Modells kämpft, jammern die Verleger noch über die alten Player.
Angesichts der wachsenden Probleme zeigt der BDVZ keine neue Möglichkeiten auf, nein, er jammer lieber über den "unfairen Wettbewerb" da draußen. Damit reflektiert der BDVZ zwar die Grundhaltung vieler Verleger, schafft aber - genau wie diese - mittelfristig seine eigene Existenzberechtigung ab.









